• Kathrin Pavic

Management - Eine soziologische Annäherung


Bei der Managementsoziologie handelt es sich um ein noch junges Forschungsfeld, das erst in den letzten zwanzig Jahren entwickelt wurde. Sie gilt als Desiderat der Forschung, insbesondere der Industriesoziologie (Walgenbach/Tempel 2002; Lohr 2013). Der Stand der Managementsoziologie als eigenständige spezielle Soziologie ist allerdings nicht gänzlich unumstritten. Dies liegt daran, dass sowohl in der Organisationssoziologie wie auch in der Arbeits- und Industriesoziologie Managementforschung betrieben wird (Pohlmann 2005). Inwieweit von einem spezifischen managementsoziologischen Ansatz gesprochen werden kann, ist daher diskutabel.

Eugen Buss (2008a: 19–20) definiert Managementsoziologie „als eine Lehre, 1. die Managementprozesse auf ihre gesellschaftliche Abhängigkeit hin untersucht; 2. die Rückwirkungen von Managementprozessen auf gesellschaftliche Strukturen prüft und die politische Bedeutung von Managementinteressen untersucht; 3. die sozialen Dimensionen in den Verhaltensprämissen des Managements aufdeckt“. Er setzt somit auf eine weite Definition, die v. a. die gesellschaftliche Dimension von Managementprozessen und ‑interessen betont. Pohlmann (2002: 235; 238) hingegen plädiert dafür, erstens die Organisation in den Mittelpunkt einer managementsoziologischen Beschäftigung“ zu stellen und zweitens eine herrschaftssoziologische Perspektive beizubehalten.

Tatsächlich wird an das Thema „Management“ mit einem breiten Spektrum an theoretischen Ansätzen herangetreten. Neben system- und institutionstheoretischen Perspektiven, die sich einerseits auf die Funktion des Managements innerhalb einer Organisation und andererseits auf das Management als Repräsentationsform einer Organisation konzentrieren (Pohlmann/Markova 2011), werden auch macht- und herrschaftssoziologische Perspektiven vertreten (Knoblach/Fink 2012). Hier liegt der Fokus auf Macht- und Herrschaftsverhältnissen innerhalb des Managements, aber auch zwischen dem Management und der Belegschaft. dabei sind insbesondere die Interdepenzen von Herrschaft und Autorität bedeutsam (Pohlmann/Markova 2011). Auch auf die Rational Choice Theory wird Bezug genommen, hauptsächlich auf das Wechselverhältnis von Sanktionen und Vergütung sowie Kontrolle und Vertrauen in Prinzipal-Agenten-Beziehungen (Höpner 2004; Schirmer 1993).

Manche Studien (Minssen 2012; Höpner 2004) konzentrieren sich explizit auf die Manager als Akteure, wobei v. a. ihre Ausbildung, soziale Herkuft und Karriereverläufe, mögliche Rollenkonflikte, aber auch ihr Status als Angehörige einer Elitegruppe untersucht werden. Auf einer übergeordneten Ebene wird zudem erforscht, inwiefern „die einseitige strategische Rationalitätsform moderner Managementsysteme“ (Buss 2008b: 155; in Anlehnung an Habermas‘ Theorie des kommunikativen Handelns) auf andere Handlungsbereiche wie z. B. die Lebenswelt ausübt.

Bibliographie

Buss, Eugen (2008a): „Modul 2: Managementsoziologie als wissenschaftliche Fachdisziplin“, in: Buss, Eugen: Managementsoziologie. Grundlagen, Praxiskonzepte, Fallstudien, München: Oldenburg, S. 7–30.

Buss, Eugen (2008b): „Modul 5: Management im Fokus soziologischer Perspektiven“, in: Buss, Eugen: Managementsoziologie. Grundlagen, Praxiskonzepte, Fallstudien, München: Oldenburg, S. 97–158.

Höpner, Martin (2004): „Unternehmensführung im Wandel. Was bewegt die Führungskräfte? Von der Agency-Theory zur Soziologie des Managements“, in: Soziale Welt, Jg. 55, Heft 3, S. 263–282.

Knoblach, Bianka/Dietmar, Fink (2012): „Konstruktivismus, Macht und die Realitäten der Manager“, in: Knoblach, Bianka et al. (Hg.): Macht in Unternehmen. Der vergessene Faktor, Wiesbaden: Gabler, S. 13–25.

Lohr, Karin (2003): "Management und Managementprozesse in Ostdeutschland: Befunde und Perspektiven aus managementsoziologischer Sicht", in: Journal for East European Management Studies, Vol. 8, Ausg. 4, S. 369–386.

Minnsen, Heiner (2012): „Management und Karriere“, in: Minnsen, Heiner (Hg.): Arbeit in der modernen Gesellschaft. Eine Einführung, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 149–159.

Pohlmann, Markus (2002): „Management, Organisation und Sozialstruktur – Zu neuen Fragestellungen und Konturen der Managementsoziologie“, in: Schmidt, Ruedi/Gergs, Hans-Joachim/Pohlmann, markus (Hg.): Managementsoziologie. Themen, Desiderate, Perspektiven, München/Mering: Rainer Hampp Verlag, S. 227-245.

Pohlmann, Markus/Markova, Hristina (2011): „Kapitel 6) Management, Führung und Strategie“, in: dies.: Soziologie der Organisation. Eine Einführung, Konstanz: UVK, S. 111–133. Red, Mike (1989): The Sociology of Management, New York/London/Toronto/Sydney/Tokyo: Harvester Wheatsheaf.

Schirmer, Franz (1993): „Organisation des Managements“, in: Ganter, Hans-Dieter/Schienstock, Gerd (Hg.): Management aus soziologischer Sicht. Unternehmungsführung, Industrie- und Organisationssoziologie, Wiesbaden: Gabler, S. 83–112.

Walgenbach, P./Tempel, A. (2002): „Management als soziale Praxis – Konzeptionelle und methodische Ansatzpunkte für die interkulturell vergleichende Managerforschung“, in: Schmidt, Ruedi/Gergs, Hans-Joachim/Pohlmann, Markus (Hg.): Managementsoziologie. Themen, Desiderate, Perspektiven, München/Mering: Rainer Hampp Verlag, S. 168–181.